Die Waffen nieder - Brandspur und Lesung Flyer
2011
Institut für Kunst und Forschung, W. Kastner, Trivastr.
7, D-80637 München, 089 – 157 32 19
Hans-Jochen Vogel bei der Lesung aus
verbrannten Büchern
Polizei prüft Hakenkreuz
auf einem Foto von 1933
Brandfleck und Lesung aus
verbrannten Büchern
Beißender Rauch stieg auf, als der Künstler Wolfram
P. Kastner am 10. Mai 2011
zum zehnten Mal einen großen schwarzen Fleck in den Rasen des Königsplatzes
brannte.(1) Ein dauerhaftes Erinnerungszeichen will die Stadtspitze
nicht.
Die rotgrüne Mehrheit im Stadtrat ist zufrieden mit einem unsichtbaren
Internet-Denkmal – nach dem Vorbild von „des Kaisers neue Kleider“.
Die Lesung begann mit Alt-Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel,
der auch die Schirmherrschaft übernahm, mit einem aufwühlenden Text
von Bertha von Suttner aus ihrem Roman „Die Waffen nieder“.
Insgesamt trugen 90 Leser/innen an der Stelle der Bücherverbrennung
Gedichte und Prosa vor, die 1933 auf alle Zeit verschwinden sollten.
Schüler/innen, Hausfrauen, Berufstätige, Wissenschaftler, Studenten,
Autoren, Schauspieler ebenso wie Stadträte, Bischöfe und Staatsminister
(Dr. Wolfgang Heubisch).
„Hier können alle lesen und nicht nur Prominente dem Volk vorlesen.“
Im Laufe des Tages kamen etwa 1.500 Zuhörer auf den Königsplatz.
Die Polizei beobachtete erstmals die gesamte Veranstaltung sehr genau
und prüfte über eine Stunde lang, ob sie gegen ein dokumentarisches
Foto von 1933 auf einem Informationsständer einschreiten solle.
Offenbar war die Veranstaltung für die Polizeibeamten auch insofern
lehrreich,
dass sie sich über die Rechtslage Klarheit verschaffen durften.
Erstmals wurde auch im nahe liegenden Luisengymnasium gelesen – von
Eltern, Schülern, Lehrern, Schauspielern und Autoren.
Ein Fernsehteam filmte die Aktion. Von der Münchner Presse konnte
leider niemand teilnehmen
(Fotos für die Presse können auf Anforderung
per email zugesandt werden)
(1)
Am 10. Mai 1933 fand auf dem Rasen des Königsplatzes nachts um 23.30
Uhr bei strömendem Regen eine der spektakulärsten Bücherverbrennungen
in Deutschland statt - mit 50 - 70.000 Beteiligten, überwiegend Akademikern,
nicht nur Nazis, wie z.b. dem späteren SZ-Journalisten Karl Ude, für
den die Bücherverbrennung „ein Fest“ war.
1935 wurde der gesamte Platz mit 10.000 Granitplatten belegt für die
Aufmärsche und Gelöbnisse der Nazi-Kohorten.
1988 waren die Platten brüchig und wurden rückstandslos beseitigt
– begleitet von einer Hochglanzbroschüre der Stadt und der Staatsregierung
mit dem bezeichnenden Satz „Endlich darf Gras über die Geschichte
wachsen“.
1995 wurde eine Erinnerungsaktion von Wolfram Kastner „Damit keine
Gras über die Geschichte wächst“ (mit einem Brandfleck, einer deutsch/englischen
Texttafel und einer Lesung aus verbrannten Büchern) verboten.
Mit der Begründung „der Rasen von 1933 ist nicht mehr vorhanden“.
Erst als die überregionale Presse darüber berichtete, wurde die Aktion
erlaubt, die Tafel nach kurzer Zeit abgesägt und weitere Aktionen
in den Jahren bis 2011 immer wieder verboten.
2004 wurde die Aktion gestattet – mit der Auflage, 365 € in die Stadtkasse
für Rollrasen zu zahlen, mit dem die Stadtverwaltung den schwarzen
Fleck wieder zudecken wollte.
Der Künstler zahlte zwar nicht, aber 5 städtische Arbeiter deckten
nach neun Tagen mit Rollrasen die Geschichte zu.
Seit 2005 wird die gesamte Aktion unterstützt vom Kulturreferat und
dem Schulreferat der Stadt, vom Börsenverein des deutschen Buchhandels,
von der Universität, dem PEN-Zentrum, der Volkshochschule, der Stadtbibliothek,
der Oskar-Maria-Graf-Gesellschaft u.a.

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Mit
dem Brandfleck und den Lesungen will Wolfram Kastner eine positive
Tradition für Freiheit, Menschenwürde und Akzeptanz stiften und
viele – insbesondere junge – Menschen dafür und für die entsprechende
Literatur gewinnen und sensibilisieren.
Erinnerungszeichen
zu den Bücherverbrennungen und Lesungen aus „verbrannten Büchern“
hat Wolfram P. Kastner angeregt und teilweise – mit oder ohne Genehmigung
– realisiert in: Frankfurt,
Heidelberg, Kassel,
Leipzig, Lübeck,
Mannheim, Nürnberg,
Salzburg, Würzburg
und Wuppertal.
In
vielen anderen Städten wurden von ihm ein Erinnerungszeichen und
eine Lesung angeregt, aber nicht realisiert oder verhindert:
Bonn,
Braunschweig, Dresden, Düsseldorf, Essen, Greifswald, Hannover,
Landsberg, Rostock
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